Mein Name ist Resi und als ich klein war wohnte ich in einer Holzhütte weit oben auf der Alm. Mein Bruder Franzl und ich tanzten Ringelreihen über edelweißblühende Wiesen und tummelten uns mit den Gamsen. Das satte Grün meines Dirndls leuchtete mit moosbewachsenen Lichtungen um die Wette. Franzl konnte man in seiner Krachledernen vor den rauhen Stämmen der Eichen kaum ausmachen. Während der Franzl sich mit dem Papa im Schuhplatteln übte, jodelten die Mama und ich dazu und putzten Schwammerln für die bevorstehende Brotzeit. Wenn die Wolpertinger sich aus dem Dickicht der umliegenden Wälder hervorwagen, lagen wir bereits auf duftendes Heu gebettet und träumten von klaren Gebirgsbächen.
JA ich komme aus Bayern, doch NEIN so ist es dort nicht unbedingt. Doch allein das Wort Bayern scheint bereits den Vorhang des Kopfkinos beiseite zu schieben. Die Vorstellung der Klischees beginnt. Man denkt an Dirndl, Lederhosen, Heidi und den Geißenpeter.
Noch in Bayern lebend stellten ich und meine Jugendfreunde uns in Punk-Attitüde vor katholische Dorfkirchen und somit auch irgendwie – sei es nun bewusst oder unbewusst – gegen das System. Zumindest das bayerische. In Berlin stets auf meine „ausländische Sprachfärbung“ angesprochen, stelle ich heute nach etlichen Jahren fern der Heimat, klitzekleinen Hauch Lokalpatriotismus an mir fest. Beim Blick in den Spiegel sehe ich wie sich bisweilen kleine Trachtenelemente in meinen „Berlin-Mitte-Mädel“ Kleidungsstil eingeschlichen haben. Zu einem Kranz flecht ich mir das Haar hin und wieder, sollte der Wecker bereits einmal beim ersten Mal klingeln erhört worden sein oder wenn nicht, dann eben mal festlich zum Sonntage.
Letztens ertappte ich mich sogar beim Gedanken wie ich mich wohl in einem Dirndl machte. Ein Dirndl! Doch seien wir einmal ehrlich, die Dirndl-Mode ist eine feine Sache. Variierend in Schnitt, Farbe und Länge, ergänzt um Mieder und Schürze wird das Tragen dieser Tracht höchstens durch den Unwillen nicht aber wie sonst so oft durch die Figur ihrer Trägerin reglementiert. Geschickt schnürt es, kaschiert es und hebt hervor was man eben hat oder auch nicht hat. Es steht drallen Madeln ebenso wie dürren, großen wie kleinen. Bequem ist es obendrein und in den Augen einiger Betrachter auch durchaus sexy. Selbst in die japanische Manga-Szene hat es das Dirndl geschafft. Aus orientalischen Stoffen gefertigte Dirndl-Entwürfe der Münchner Designerin Anina W könnten unter Umständen sogar den einen oder anderen Fürsten des Abendlands verzaubern. Bei diversen Burlesque-Parties im Hauptstädter Raum hingegen betörten andere ihrer Modelle vermutlich nicht nur den Türsteher. Doch auch im Rahmen des Neo-Trachten-Trends findet das Dirndl Einzug in den Designer Himmel der Haute Couture und in Kollektionen wie von Christopher Kane wurden bereits Dirndl-Elemente sichtbar. Ob man nun ein Fan von Rustikalerotik ist, sich dem Dirndl als Fetisch nähern möchte oder einfach nur Tante Traude an ihrem 70. Geburtstag einen Tag lang das Gefühl geben möchte, ihr Kommunionsgeschenk sei immer noch so toll wie damals – man selbst übrigens auch da man es noch hineingeschafft hat. Der Schnürung sei Dank.
Und seien wir doch noch einmal ehrlich, welche Frau wünscht sich nicht insgeheim an manchen Tagen mal eine Prinzessin zu sein – auch dies macht das Dirndl möglich.